Ein Verfechter der Klassischen Reitlehre


 

Von Dr. Hans G. Stürmann - Artikel zum 90.Geburtstag 2008:
Mechtersen. Für viele Reitsportfreunde ist der heutige Mittwoch ein bedeutsamer Tag: Kurd Albrecht von Ziegner, international bekannt als engagierter Bewahrer der klassischen Reitlehre, feiert auf seinem Reiterhof in Mechtersen seinen 90. Geburtstag - agil aufgeschlossen und fit, wie man ihn seit vielen Jahren kennt.

"Reiten sie noch?" Auf diese Frage gibt der Jubilar eine geradezu selbstverständliche Antwort: "Ja, sicher." Sein Hengst Hornist, der mehr als zwei Jahrzehnte sein treuer Begleiter war, musste zwar im vergangenen Jahr eingeschläfert werden. Doch als Ersatz kaufte er sich eine fünfjährige Trakehnerstute, die er gemeinsam mit seinem Enkel Dominik ausbildet. "Zehn Enkelkinder habe ich. Davon acht Jungen, die fast alle reiten", berichtet Senior von Ziegner stolz.

Obwohl der in Stettin geborene Kurd Albrecht einer Reiterfamilie entstammt, sein Vater war aktiver Kavallerieoffizier und Rennreiter und seine Mutter eine erfolgreiche Turnierreiterin, wollte er zunächst Marineoffizier werden. Als zwölfjähriger Schüler zeichnete er bereits gekonnt die Silhouetten der meisten deutschen Kriegsschiffe. Dann aber verbrachte er einen Urlaub bei seinem Onkel, dem späteren General Dietz von Choltitz, der damals Schwadronschef im sächsischen Grimma war. Seither ist für Kurd Albrecht von Ziegner Reiten "das Schönste, was es gibt".

Seine Ausbildung erhielt von Ziegner zunächst bei seinem strengen Onkel und dessen Unteroffizieren, später beim Kavallerieregiment 9. Nach dem Krieg gründete er mit Gleichgesinnten die Tübinger Reitgesellschaft und ritt aktiv in allen Disziplinen bis in die höchste Klasse S.

"Schweren Herzens" gab von Ziegner 1956 seine erfolgreich begonnene Reiterkarriere auf, um einem Ruf der Bundeswehr zu folgen und beim Aufbau der Aufklärungstruppe mitzuwirken. 1976 schied er als Oberst und stellvertretender Kommandeur der in Lüneburg stationierten Panzerbrigade 8 aus dem aktiven Dienst.

Danach widmete er sich vornehmlich der klassischen Reitkultur als Ausbilder und Fachautor. Nachdem er schon seit 1953 an die Bearbeitung von Wilhelm Müselers Reitlehre, der deutschen "Bibel" für jede Reitausbildung übernommen hatte, gab er eine eigene "Skala der Ausbildung" heraus. Für die USA, wo er seit 1978 ständig Lehrgänge gibt, schrieb er die "Elements of Dressage", die ins Spanische übersetzt inzwischen auch in Brasilien und Argentinien als Standardwerk dienen. Demnächst soll es auch in Japan erscheinen. 2007 reiste von Ziegner, der weiterhin in Mechtersen "Engagierten aus vielen Ländern die Freude am Reiten nahebringt", auch nach Hongkong, um Chinesen die klassische Reitkunst zu vermitteln.

Anfang April ist nun die Teilnahme an einem Forum der von ihm mitbegründeten Gesellschaft "Xenophon" zur Erhaltung und Förderung der klassischen Reitkunst geplant. "Gerade in der Dressur gibt es noch viel zu tun", engagiert sich von Ziegner, der hier ein zeitbedingtes Abgleiten in "flachen Hippokapitalismus" befürchtet.

Auch darum gilt seine besondere Neigung von jeher der Vielseitigkeit: "Hier werden die Pferde noch so ausgebildet, dass sie ihre Aufgaben gerne angehen. Mit Selbstvertrauen aus eigenem Antrieb, ohne dazu getrieben zu werden." Darin sieht von Ziegner echte "Horsemanship", der er sich verpflichtet fühlt.

"Zur Horsemanship gehört neben fundierter Sachkenntnis und Selbstdisziplin, dass der Reiter die Persönlichkeit seines Pferdes mit allen Stärken und Schwächen kennt und auch anerkennt. Nur dann kann er die Grenzen seines Partners fair ausloten und Unterstützung bis an die Grenzen einfordern, wenn es einmal darauf ankommt." Das vorweggenommene Vermächtnis eines wahren Horseman, dem Respekt und alle guten Wünsche gelten.

Am 3. Oktober 2016 ist Kurd Albrecht von Ziegner zuhause in Mechtersen verstorben.

 

 

 

 

 

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 Nachruf K.A.v.Ziegner.pdf (435 KBytes)

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