Stint und Salzsau

Im Mittelpunkt der Gründungsgeschichte Lüneburgs, das im Mittelalter zu den reichsten Städten Deutschlands gehörte, steht die Sage von der Salzsau. Danach erlegten einige Jäger vor mehr als 1000 Jahren in den sumpfigen Wäldern an der Ilmenau - im Gebiet der heutigen Stadt - ein großes vierbeiniges biologisches Wunder, nämlich ein weißes Wildschwein! Als sie es genauer untersuchten, stellten sie fest, dass die Borsten  voller Salz saßen, wodurch die Sau ihr weißes Aussehen erhalten hatte. Die Jäger verfolgten die Fährte des Tieres zurück und entdeckten einen salzhaltigen Tümpel, unter dem sich, wie sich später zeigte, ein riesiger Salzstock befand. Salz galt im Mittelalter als „weißes Gold“, war es doch das einzige Mittel zur Konservierung von Lebensmitteln und konnte nur an wenigen Orten in Mitteleuropa abgebaut werden. So zeigte eine wilde Sau den Lüneburgern eine Quelle unermesslichen Reichtums für Hunderte von Jahren. Die Lüneburger Saline, unter der das Salz abgebaut und in der es bearbeitet wurde, ist übrigens der älteste Industriebetrieb in Europa, mehr als tausend Jahre lang wurde hier Salz gewonnen. Die Salzsau ist zu einer Art Wappentier der Stadt geworden, im Rathaus wird ein Schinkenknochen unter Glas ausgestellt, der angeblich von der Salzsau stammt, und noch heute zieren bunt bemalte Salzsäue in Originalgröße den Rathausgarten und manchen Geschäfteingang in der Innenstadt.

 

 

  Auch die Stinte gehören zur Geschichte Lüneburgs. Die Stadt liegt an der Ilmenau, einem Nebenfluss der Elbe. Bereits im frühen Mittelalter wurde im Stadtgebiet ein Hafen angelegt, um das Salz auf dem Wasserweg nach Skandinavien zu transportieren. In den großen Lagerhäusern am Hafen wurde aber nicht nur Salz zwischengelagert, sondern auch Fische: Heringe von der Ostsee und Stinte, die in der Ilmenau und in der Elbe gefangen worden waren. Die Stinte, wohlschmeckende kleine Geschwister des Lachses, leben in Schwärmen an Küsten und Flussmündungen, aber auch in küstennahen Flüssen. Sie spielten daher Jahrhunderte lang für die Ernährung der Lüneburger eine wichtige Rolle. Es ist also kein Zufall, dass die schönste Straße am mittelalterlichen Hafen in Lüneburg „Am Stintmarkt“ heißt und dass im Jahr 2007 bunte Kunststoff-Stinte in der Ilmenau schwimmen - wie in unserem Gelände-Teich. Übrigens: Auch heute noch gilt der Stint im Frühjahr als Delikatesse in den Landrestaurants an Elbe und Ilmenau.

 

Dirk Hagener

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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